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Pferdetrainer werden in Österreich: Der große Überblick über die verschiedenen Ausbildungswege
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Pferdetrainer werden in Österreich: Der große Überblick über die verschiedenen Ausbildungswege

equidamus Redaktion18. September 2026

Der akademische Einstieg: Bachelor Pferdewissenschaften

Am wissenschaftlichsten Ende der Skala steht der Bachelorstudiengang Pferdewissenschaften, den die Veterinärmedizinische Universität Wien gemeinsam mit der BOKU anbietet. Wer hier studiert, beschäftigt sich mit Haltung, Zucht, Biomechanik, Fütterung und Pferdemanagement auf universitärem Niveau. Wichtig zu wissen: Das ist keine klassische Trainerausbildung im Sinne von "wie unterrichte ich Reitschüler" oder "wie bilde ich ein junges Pferd aus" – sondern eine fachlich-wissenschaftliche Basis, die sich vor allem für Menschen eignet, die später in Beratung, Forschung, Zucht oder Management tätig sein wollen und ihr Trainerwissen zusätzlich über einen der unten genannten Wege ergänzen. (vetmeduni.ac.at)

Der landwirtschaftliche Weg: Pferdewirt/in und Meister/in

Der historisch gewachsene Berufsweg zum Pferdetrainer führt über die Landwirtschaft. Am Anfang steht die Lehre Pferdewirtschaft: eine dreijährige duale Ausbildung, bei der rund 80 Prozent der Zeit im Lehrbetrieb und der Rest in der Berufsschule verbracht wird. Voraussetzung ist lediglich die erfüllte neunjährige Schulpflicht – die Lehre steht also nicht nur Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen offen, die beruflich umsatteln wollen. Inhaltlich deckt sie das gesamte Spektrum ab: Pflege, Fütterung und Zucht, die Ausbildung von Reit- und Fahrpferden, Betriebswirtschaft, Futterproduktion, Landtechnik und schließlich auch den eigentlichen Reit- und Fahrunterricht. (bic.at)

Wer es lieber vollschulisch mag, kann alternativ eine landwirtschaftliche Fachschule für Pferdewirtschaft besuchen, etwa die LFS Tullnerbach in Niederösterreich – drei bis vier Jahre Vollzeit, ebenfalls mit Facharbeiterabschluss am Ende. (lfs-tullnerbach.ac.at)

Nach der Facharbeiterprüfung steht der nächste Schritt offen: die Meisterprüfung Pferdewirtschaft. Sie läuft berufsbegleitend über rund drei Jahre, setzt ein Mindestalter von 20 Jahren und drei Jahre Berufspraxis als Facharbeiter voraus (Betriebsführer sind teilweise ausgenommen) und endet mit einer umfangreichen Prüfung aus schriftlichen Teilprüfungen, mündlichen Prüfungen, einer fünfstündigen schriftlichen Meisterprüfung sowie der Präsentation einer Meisterarbeit. Mit dem Titel "Meister/in Pferdewirtschaft" darf man Lehrlinge ausbilden, einen landwirtschaftlichen Betrieb führen und hat Zugang zu meisterspezifischen Förderungen. (ausbildungskompass.at)

Der Verbandsweg: OEPS und die staatliche Trainerlaufbahn

Für alle, die im organisierten Turniersport unterrichten oder trainieren wollen, führt kaum ein Weg am Österreichischen Pferdesportverband (OEPS) vorbei. Die Ausbildungsstruktur ist im sogenannten Ö.A.P.O.-Ausbildungsregulativ genau festgelegt und baut stufenweise aufeinander auf. (oeps.at / Ausbildungsregulativ)

Im klassischen Reitsport (Dressur, Springen, Vielseitigkeit) beginnt die Laufbahn mit dem Übungsleiter Reiten: ein achttägiger Kurs, für den man die Lizenz R1 oder RD1 sowie eine Eignungsprüfung in Dressur und Springen der Klasse A plus Longenarbeit braucht. Wer weiterkommen will, absolviert den Reitwart – zwei Theoriemodule und eine dreimonatige Praxisphase, mit Eignungsprüfung in Dressur und Springen Klasse A bis 1,10 Meter. Bereits vorhandene Übungsleiter-Qualifikationen verkürzen den Weg.

Den eigentlichen Profistatus erreicht man entweder über den Bereiter – eine vierjährige Lehre an einem anerkannten Ausbildungsbetrieb – oder über die Bundessportakademie: Dort führt der Weg vom staatlich geprüften Reitinstruktor(vier Semester, Eignungsprüfung Klasse L) über den staatlich geprüften Reittrainer in einer Spezialdisziplin (zwei Semester, Eignungsprüfung Klasse M) bis zum staatlich geprüften Reitlehrer (ein weiteres Semester, meist als ergänzende Zweitdisziplin). Wer sich danach noch spezialisieren will, kann den Diplomtrainer für Dressur oder Springen machen – jeweils zwölf Tage, mit Eignungsprüfung auf Intermediaire-I- beziehungsweise S-Niveau. Die höchste Auszeichnung, der Reitmeister, wird nicht per Kurs erworben, sondern als Ehrentitel verliehen: Voraussetzung sind eine staatliche Lehrerqualifikation, mindestens sechs Jahre Berufserfahrung, ein Mindestalter von 35 Jahren und dokumentierte nationale oder internationale sportliche Erfolge. (Ausbildungswege im Detail – EQWO)

Parallel dazu gibt es beim OEPS eigene, ähnlich gestufte Ausbildungswege für Voltigieren – vom Übungsleiter über den Voltigierwart bis zum staatlich geprüften Voltigierinstruktor und -lehrer – sowie für Gespannfahren, wo die Kette vom Übungsleiter über den Fahrwart bis zum staatlich geprüften Gespannfahrinstruktor und -lehrer reicht. Auch für Distanzreiten, Damensattel-Reiten und Centered Riding existieren eigene, wenn auch kleinere Ausbildungsschienen. (Voltigieren & Gespannfahren – EQWO, Distanzreiten, Damensattel, Centered Riding – EQWO)

Regional wird ein Teil dieser Ausbildungen – etwa Übungsleiter- und Reitwart-Kurse – über die Landesverbände abgewickelt, zum Beispiel den Niederösterreichischen Pferdesportverband (NÖPS), der auch eigene Voraussetzungen wie Turnierergebnisse und Mindeststunden an begleitetem Unterrichten verlangt. (noeps.at)

Westernreiten: ein eigener, klar geregelter Weg

Wer sich auf Westernreiten spezialisieren will, findet mit der AWA (Austrian Western/Working Equitation Association) einen eigenständigen, gut dokumentierten Ausbildungspfad. Er beginnt beim Übungsleiter Westernreiten, geht über den Westernreitinstruktor und endet nach einem zweisemestrigen Lehrgang beim staatlich geprüften Trainer Westernreiten – bis 2015 noch "Westernreitlehrer" genannt. Der Abschluss entspricht Stufe 3 im Pferdesportausweis und berechtigt dazu, Westernreitunterricht auf allen Alters- und Leistungsstufen zu erteilen sowie Pferde auszubilden und Turniersportler zu betreuen. Vor der Abschlussprüfung ist inzwischen verpflichtend ein 16-stündiger Erste-Hilfe-Kurs nachzuweisen. (awa.at)

Working Equitation: im Aufbau

Anders sieht es bei der noch relativ jungen Disziplin Working Equitation aus. Der Verband Working Equitation Austria hat zwar "Lehrwarte", also Trainer, im Programm – laut eigener Website wird das offizielle Ausbildungsregulativ aber gerade erst überarbeitet. Wer hier unterrichten will, sollte sich also direkt beim Verband nach dem aktuellen Stand erkundigen, da es (noch) keinen so klar strukturierten, staatlich verankerten Weg gibt wie beim klassischen Reiten oder beim Westernreiten. (working-equitation.at)

Die privaten Akademien: Verhalten, Bodenarbeit und Horsemanship

Neben den staatlichen und Verbandswegen hat sich in den letzten Jahren ein eigener Markt an privaten, methodenbasierten Ausbildungen etabliert – vor allem im Bereich Pferdeverhalten, Bodenarbeit und "sanftes" Training. Diese Abschlüsse sind staatlich nicht reglementiert, genießen aber je nach Anbieter unterschiedlich hohes Ansehen in der Szene.

Die Andrea Kutsch Akademie (AKA) bietet eine mehrjährige Ausbildung zum "Equine Coach" an, basierend auf dem hauseigenen EBEC-System (Equine Behavioral Education Concept). Der Unterricht findet in sechs Theorieblöcken à neun Stunden pro Jahr statt, abends und online, ergänzt durch optionale Praxistage. Die Akademie positioniert ihr Konzept explizit als wissenschaftliche Weiterentwicklung des Natural Horsemanship, mit Schwerpunkt auf Ethogrammen, Lerntheorie und Pferdekommunikation. (andreakutschakademie.com)

Die ATN-Akademie bietet die Ausbildung zum Pferdeverhaltenstrainer bzw. -berater an – mit 18 Monaten Regelstudienzeit (kostenlos verlängerbar um weitere sechs Monate für alle, die berufsbegleitend lernen), Mindestalter 18 und einem Mix aus E-Learning-Skripten, über 200 Videos, Fachmeetings und optionalen Praxistagen auf Partnerhöfen. Die Ausbildung schließt mit einer schriftlichen und einer mündlich-praktischen Prüfung ab. Kostenpunkt: 2.880 Euro, zahlbar in 18 Monatsraten, zuzüglich 250 Euro Prüfungsgebühr. (atn-akademie.com)

Im Bereich Körperarbeit ist Tellington TTouch Training verbreitet, mit einer mehrstufigen Practitioner-Ausbildung(Practitioner 1 bis 3), die unter anderem in Österreich direkt sowie über das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) angeboten wird. (tellington.at)

International bekannt und auch in Österreich vertreten ist Parelli Natural Horsemanship mit einem eigenen, mehrstufigen Instruktorenprogramm; zertifizierte Parelli-Instruktoren bieten hierzulande unter anderem über parelli-austria.at oder horseconnect.at Unterricht und Kurse an. (parelli-austria.at)

Abseits des klassischen Trainings gibt es noch angrenzende Spezialausbildungen wie Tiermasseur und Bewegungstrainer Pferd (Zentrum Tier Österreich) oder Pferdegestütztes Coaching (etwa bei Bildungsinstitut Vonwald oder am Dragahof) – Letzteres zielt allerdings stärker auf Coaching von Menschen mithilfe von Pferden ab als auf die klassische Pferdeausbildung.

Fazit: Welcher Weg passt?

Wer im organisierten Turniersport als lizenzierter Trainer arbeiten will – Reitschule, Verein, Kaderbetreuung – kommt am OEPS/ÖAPO-Weg mit seinen klar gestuften Ausbildungen kaum vorbei. Wer selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb führen, Pferde ausbilden und verkaufen oder Lehrlinge ausbilden will, ist mit Pferdewirt und Meisterprüfung besser bedient. Und wer sich auf Verhalten, Bodenarbeit oder alternative Trainingsansätze spezialisieren möchte, findet die relevantesten Inhalte eher bei den privaten Akademien wie AKA, ATN, Tellington oder Parelli – muss dabei aber wissen, dass diese Abschlüsse keine staatliche Anerkennung genießen und die Qualität stark vom jeweiligen Anbieter abhängt.

Am Ende lohnt es sich für die meisten, mehrere Wege zu kombinieren: eine fundierte handwerkliche Basis über Pferdewirt oder den OEPS-Weg, ergänzt um Spezialwissen aus dem Bereich Verhalten und Bodenarbeit, wie es die privaten Akademien vermitteln.


Quellen:

#Ausbildung#Pferdetrainerin

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